Eine Decke, Reihe für Reihe

Eine Decke mit Geschichte

Unsere neue Decke wird nicht produziert, sie wird gestrickt. Reihe für Reihe, von Hand, auf einer Strickmaschine aus dem Jahr 1954.

In einer Welt, in der fast alles schneller, billiger und austauschbarer wird, wollten wir etwas anderes: ein Stück, dem man ansieht, dass sich jemand Zeit genommen hat. Gefunden haben wir es bei der Maschen Manufaktur Meyer – und bei einer Maschine, die mehr erlebt hat als die meisten von uns.

Heute erzählen wir dir, wer hinter dieser Decke steckt, wie sie entsteht und warum keine zweite genau so aussieht wie deine.

Eine Maschine, die nach Hause gefunden hat

Die Decke entsteht auf einer STOLL IBO – einer Industrie-Handflachstrickmaschine aus Reutlingen. Die Firma Stoll baut seit 1873 Flachstrickmaschinen, heute fast nur noch computergesteuert. Die IBO wurde nur von den 1950er- bis in die 1970er-Jahre gefertigt.

Unsere Maschine hat sogar eine eigene Biografie. In einem alten, handgeschriebenen Auftragsbuch steht: fertiggestellt im November 1954, ausgeliefert in den Norden nach Delmenhorst.

Jahrzehnte später, 2002, wollte der damalige Besitzer seinen Dachboden leerräumen. Er fragte bei Stoll nach, ob man die Maschine zurücknehmen oder verschrotten solle. Statt auf dem Schrott landete sie bei einer Textildesignerin aus dem Haus – und kehrte so zurück an den Ort, an dem sie gebaut wurde.

Heute ist sie 72 Jahre alt und läuft fast jeden Tag. Robust, ehrlich, ohne Strom und ohne Computer.

Die Hände hinter der Decke

An der IBO gibt es keinen Knopf, der die Arbeit erledigt. Für jede einzelne Reihe wird der Schlitten von Hand über das Nadelbett geführt – rund einen Meter hin und wieder zurück. Und das immer wieder, bis aus Reihen eine Fläche und aus der Fläche eine Decke wird.

Für unsere Decke wird Merinolandschaf-Garn verwendet. Es ist kräftig, griffig und ehrlich rau – genau das macht es so warm und langlebig. An der Maschine bedeutet es aber auch: Jede Reihe braucht spürbar Kraft. Die Strickerin nennt es selbst eine sportliche Herausforderung.

Ein bisschen Technik für Neugierige:

  • Maschine: STOLL IBO, gebaut 1954

  • Feinheit: E 3,5 – eine grobe Teilung, ideal für dicke, voluminöse Garne

  • Nadelbett: 100 cm breit

  • Fertige Breite: durch eine elastische, voluminöse Strickbindung bis zu 150 cm

  • Antrieb: ausschließlich von Hand

Dazu kommt alles, was man auf dem Foto nicht sieht: Garn auswählen, Maschine einrichten, Maschen kontrollieren, Fehler sofort von Hand korrigieren, Kanten und Enden sauber vernähen. Nichts davon lässt sich beschleunigen.

Jede Reihe mit Muskelkraft

Hinter der Maschen Manufaktur Meyer steht eine Frau, die Strick wirklich von innen kennt. 29 Jahre lang war sie Textildesignerin bei Stoll. Sie war dort unter anderem für Garne und Materialien zuständig und hat an den Strickkollektionen mitgewirkt.

Sie weiß also genau, was ein Garn kann, wie es sich verhält und wie daraus ein Stoff wird, der lange hält. Dieses Wissen steckt in jeder Masche.

Seit 2002 strickt sie auf der alten IBO Schals, Decken, Stolen und Tischläufer in ganz unterschiedlichen Größen. 2017 hat sie daraus ihr Kleinunternehmen gemacht – um, wie sie sagt, ihre Leidenschaft für Garne und Strick mit etwas Nützlichem zu verbinden.

Weil ein Mensch sie strickt und keine Software, ist jede Decke ein Einzelstück. Der Zug am Schlitten, die Spannung im Garn, die Tagesform – all das hinterlässt feine Spuren im Maschenbild. Das sind keine Fehler. Das ist der Beweis, dass hier jemand mit den Händen gearbeitet hat.

Für uns bei PiiES ist diese Decke das, wofür unser Schaf steht: Wolle mit Herkunft, Zeit statt Tempo, Dinge, die man lange behält und irgendwann weitergibt. Eine 72 Jahre alte Maschine, eine Frau mit fast drei Jahrzehnten Erfahrung und ein Garn vom Schaf – mehr braucht es nicht. Nur Geduld.

Wenn du dich das nächste Mal in diese Decke einwickelst, wickelst du dich in ein kleines Stück Textilgeschichte. Und in sehr, sehr viele Reihen.

Die Decke findest du ab sofort in unserem Shop.

Warum keine Decke der anderen gleicht

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